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Ladensterben geht weiter – was tut die Politik?

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Die Tatsache, dass in Volmarstein schon im Oktober der nächste Laden schließt, ist in Wetter eigentlich keine Schlagzeile mehr. Es ist halt ein Trend, der sich vor Jahren abzeichnete. Wenn aber eine Kämpferin aufgibt, ist es uns dann doch einen Beitrag wert.

Gemeint ist Ute Herzog und ihr, mit Liebe und Ideen betriebener Laden „Selavie“ im Herzen von Volmarstein. Die erfahrene Kauffrau gehört seit vielen Jahren zu den engagierten Einzelhändlern der Stadt. Sie hat sich stets für neue Ideen eingesett und war lautstarke Botschafterin der Initiative „buy local“. Auch politisch hat sie sich offen für Standortentwicklung und Wirtschaftsförderung positioniert. Wenn so jemand die Lust am Kämpfen verliert, ist das ganz sicher ein Zeichen.

Es ist nicht das einzige Zeichen. Schon morgen wird ein weiteres namhaftes Unternehmen seinen Rückzug aus Wetter bekanntgeben.

Zeit für uns, mal wieder einen kurzen Blick auf die Arbeit unserer Politiker zu werfen. War es doch die Wettersche Dauerregierung unter Federführung der SPD, die sich mit großem Engagement gegen ein Unternehmen gestellt hat, das Standortmarketing für Wetter machen und Konzepte entwickeln wollte. Nach alter Tradition hatte man damals alle Warnungen in den sprichwörtlichen Wind geschlagen und verlauten lassen, man würde nun selbst etwas tun. Jenes Tun – so war später in der Parteipresse zu lesen – sollte sich auf das Bestellen irgendeiner Agentur beschränken, die irgendetwas ausdenken sollte. Alle Details zu dieser – wohlgemerkt öffentlichen – Vergabe wurden sorgfältig geheim gehalten. Anfragen zu dieser Verwendung von Steuergeldern blieben bis heute unbeantwortet. Einmal abgesehen davon, dass die Verwaltung nicht heimlich Aufträge – schon gar nicht im Auftrag der Partei – vergeben darf, fehlt es auch an jedem Ergebnis dieser Investition. Während Vertreter des Einzelhandels in ihrer aktuellen Einschätzung nicht mehr von „5 vor 12“ sondern inzwischen offen von ernsthaften Schwierigkeiten sprechen, hat die Partei bis heute nicht mal eine Information zu ihren Bemühungen geliefert.

Am vergangenen Montag gab es dann ein Treffen zwischen Vertretern der genannten Agentur, Stadt- und Parteichef und Vertretern der Wirtschaft. Blöd nur, dass die Politik – also jene, die nicht zum Club der linientreuen Auserwählten gehören – draußen bleiben mussten. Vertreter von „Bürger für Wetter“, CDU oder CSR wurden nicht einmal informiert. Das ist natürlich unklug, wenn man über ein Thema sprechen will, das alle Menschen dieser Stadt angeht.

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Dennoch lieferte diese Zusammenkunft – zumindest für den Stadtchef und seine Getreuen – wertvolle Erkenntnisse. Neben Vertretern des verbliebenen Einzelhandels gab sich auch ein prominenter Gast die Ehre. Christian Bremicker, Vorsitzender der Geschäftsführung des Weltunternehmens ABUS ließ es sich nicht nehmen, einmal Klartext zu reden. Man habe inzwischen Probleme Mitarbeiter für den Standort Wetter zu bekommen, da es an Lebensqualität fehle. So würde man neuen Mitarbeitern nahelegen, nach Herdecke zu ziehen. Er erwähnte in diesem Zusammenhang auch an das Traditionsunternehmen Douglas, das der Stadt Hagen den Rücken gekehrt hatte. Wer schon einmal mit dem Zug nach Hagen gefahren ist und dann den kurzen Weg in die City zu Fuß gegangen ist versteht, was der Manager mit diesem Hinweis meinte.

Was der diplomatische Unternehmenslenker so nicht sagte, aber heutzutage wohl jeder (mit kleinen Ausnahmen) weiß: Die Wirtschaftskompetenz der Partei (SPD) im Ruhrgebiet ist noch auf dem Stand der späten 1960er Jahre. Da glaubte man, das Wohl des Landes liege in ein paar stinkenden Großunternehmen, für die man nur ein paar riesige Flächen bereitstellen müsse und schon laufe das ganze. Heute bestehen erfolgreiche Unternehmen aus Top-Mitarbeitern, die hohe Ansprüche an ihren Arbeitsplatz und ihren Wohnort stellen. Will man die für einen Standort gewinnen, muss es dort zwingend lebenswert sein. Dazu gehören „bunte“ Innenstädte genauso wie Natur zum Entspannen, Freizeit- und Shoppingangebote.

Diese Herausforderung zu meistern wird nicht gelingen, wenn die Leute, die ohnehin keine Ahnung von dem Thema haben, in geheimen Kommandoaktionen „irgendwas“ ausdenken.

Und was sagt die übrige Politik?

Wetters coolste Politikerin, Inge Holland von den „Bürgern für Wetter“ (Lieblingszitat: „Mir doch egal, wer unter mir Bürgermeister ist“) sagte jüngst: „Wetter wird langsam zum größten Altenheim des Landes. Wir bauen jedes Jahr hundert neue Seniorenwohnungen und haben die schönsten Friedhöfe. Mehr braucht das Seniorenherz doch gar nicht.“ Klingt ein wenig nach Resignation oder gar mangelnder Ernsthaftigkeit, oder? „Keineswegs“, sagt die Lokalpolitikerin mit 40 Jahren Erfahrung in dem Geschäft. „Eher Realitätssinn. Schließlich hat sich die SPD – wenn auch mit fragwürdigen Mitteln – eine komfortable Mehrheit im Rat gebastelt. Damit kann sie jetzt machen was sie will.“ Was will sie denn, die SPD? „Das kann auch ich nicht nachvollziehen. Im Moment sieht es so aus, als würde man alle Energie darauf verwenden, Engagement von Nicht-Mitgliedern zu diskreditieren. Produktive Arbeit im Bereich der Wirtschaftsförderung und des Stadtmarketing kann ich nicht erkennen.“ Und jetzt? „Wir hatten eigentlich vor, zusammen mit anderen politischen Kräften ein Konzept zu entwickeln und danach zu arbeiten. Jetzt, wo die Verwaltung Geld für einen externen Dienstleister ausgegeben hat, der genau unseren Job machen soll, müssen wir erst einmal untersuchen, was die da an uns vorbei gemacht haben.“ Das bedeutet? „Wir lassen uns erklären, was da an wen gezahlt wurde und was dafür geliefert wurde. Eventuell kann dieses Material ja für ein öffentlich diskutiertes Konzept verwendet werden.“

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Da war doch auch die CDU, die es rocken wollte. Die wollten federführend an dem neuen Konzept arbeiten. Anruf bei Stadtverbandschef Cosimo Palomba: Konzept fertig, kann die Zukunft losgehen? „Fast fertig. (lacht) Aber mal im Ernst, wir können nicht innerhalb einiger Wochen alles in Ordnung bringen, was über Jahrzehnte versäumt wurde. Selbst wenn wir morgen Anfangen, alles anders zu machen, wird es Jahre dauern, bis wir wieder bunte Stadtteilzentren haben.“ Und wann fangen wir an, alles anders zu machen? „Ich hoffe, sehr bald. Konkret arbeiten wir gerade an einer Vision für die nahe Zukunft der Stadt. Die stellen wir dann den Bürgern vor um zusammen mit den Menschen ein Konzept daraus zu machen. Dieses Konzept muss die Politik dann in die Tat umsetzen.“ Herr Palomba, seien Sie der erste Politiker Deutschlands, der eine konkrete Zeitangabe macht! „Manchmal ist es gar nicht so einfach, konkrete Termine zu nennen. Es muss nur jemand krank werden oder wir bekommen keinen Saal für die Bürgerversammlungen…“ Geben Sie sich einen Ruck! „Wir wissen, wie dringend unsere Stadt ein Konzept braucht. Deshalb wollen wir das auch so schnell wie möglich angehen. Bis zum Jahresende sollten alle Vorarbeiten erledigt sein und der Plan der Politik zur Entscheidung vorgelegt werden.“ Was sagen Sie denn dazu, dass die Partei (SPD) jetzt heimlich ein eigenes Konzept entwickeln lässt? „Ich habe ernsthaft erst jetzt von Ihnen davon erfahren. Wenn es wirklich so ist, dass die Verwaltungschefs einfach einen Haufen Geld in die Hand nehmen um, an der Politik vorbei, ihr eigenes Ding zu machen, wäre das ein Skandal. Die Entwicklung der Stadt geht jeden einzelnen Bürger etwas an und muss deshalb mit einer breiten Öffentlichkeit diskutiert werden. Deshalb kann auch nur die Politik als Volksvertreter entscheiden, wer der oder die geeigneten Partner sind.“ Aber nun hat die Verwaltung ja ganz offensichtlich schon diese Agentur bezahlt. Diese Veranstaltung hat ja bereits stattgefunden… „Wir werden dazu eine Untersuchung anstoßen. In der nächsten Ratssitzung werden wir eine detaillierte Aufklärung in Auftrag geben. Dann sehen wir, was ausgegeben wurde, wer das veranlasst hat und was wir dafür bekommen haben. Vielleicht kann man mit dem gelieferten Material ja etwas anfangen.“ Klingt wieder mal nach Wartezeit… „Nein. Ich habe es ja eingangs gesagt. Es ist schon nach 5vor12. Wir geben jetzt Gas, versprochen.“

 

Bild: Auch in Volmarstein wird es langsam sehr ruhig. „Selavie“ schließt in einigen Wochen.

 

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1 Comment

1 Comment

  1. Name:

    19. September 2016 at 23:48

    Wow, jede Menge Hass in dem Artikel, aber keine journalistischen Inhalte…. Schade.

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