„Gott zum Gruße!“ Mit diesen Worten stellte sich kürzlich Wandergeselle Dominic Eisenhardt von der 1910 gegründeten Gesellenvereinigung „Fremder Freiheitsschacht“ im Rathaus vor.

Nach einer zünftigen Ansprache bat Dominic um das Siegel der Stadt Wetter (Ruhr) mit Unterschrift für sein Wanderbuch. Darin hält ein jeder Geselle die besuchten Ortschaften fest. Nach einer Besichtigung des historischen Rathauses erhielt Dominic noch einen kleinen Obulus für seine weitere Wanderzeit.

Dominic ist seit rund dreieinhalb Jahren und noch bis Oktober auf der Walz. Die normale Zeit, in der ein Geselle auf die Walz geht, beträgt drei Jahre und einen Tag. Man kann das aber so lange machen, wie man möchte.

Die Wanderschaft war seit dem Spätmittelalter bis zur beginnenden Industrialisierung eine der Voraussetzungen für den Gesellen, die Prüfung zum Meister zu beginnen. Die Gesellen sollten vor allem neue Arbeitspraktiken kennen lernen und Lebenserfahrung sammeln. Ein Handwerker, der sich auf dieser traditionellen Wanderschaft befindet, wird als „Fremdgeschriebener“ oder „Fremder“ bezeichnet. Dabei darf der „Fremdgeschriebene“ während seiner Reise einen Bannkreis von 50 Kilometern um seine Heimatstadt nicht betreten. In Deutschland befinden sich derzeit rund 600 Gesellen auf Wanderreise. Manu hat mit der Walz in Berlin begonnen und ist seither viel herumgekommen – u.a. Norwegen, Tschechien und Portugal hat er besucht, aber die weiteste Station seiner Tour war Wladiwostok. „Mit Englisch und Spanisch bin ich auf der Walz sehr gut ausgekommen, in Russland funktionierte das aber nicht.“ So hat er sich auf der Reise nach Wladiwostok russische Schlüsselwörter notiert von Reisenden, die entweder Deutsch und Russisch oder Englisch und Russisch sprachen. „Am Ende konnte ich zumindest auf Russisch sagen: „Ich bin Dominic, komme aus Deutschland, bin Handwerker und habe Hunger“, erzählt er schmunzelnd. Es fällt ihm schwer, von einem schönsten Erlebnis auf der Walz zu berichten: „Es gab einfach so viele schöne und interessante Erlebnisse. Das Spannende waren eher die Extreme, sowohl positiv als auch negativ.“ So übernachtete er mit einem Wanderbruder in Russland in einer ehemaligen Autobahnraststätte: „Die Kälte war kaum auszuhalten.“ Am nächsten Abend lernten die Beiden in einer Kneipe einen Mann kennen, den ihre Geschichte faszinierte: „Er hatte eine Fernsehsendung und hat uns eingeladen, im Fernsehen über unsere Walz zu berichten. Da er sich auch noch als Hilton-Manager herausstellte, hat er uns spontan eine Übernachtung mit Frühstück im Hilton-Hotel angeboten.“

Dominic beendet seine Walz am 13. Oktober in Berlin. Zeit zum „Ausruhen“ hat er allerdings nicht, denn am 15. Oktober beginnt er dort ein Holztechnik-Studium.

 

 

Bild: Mitarbeiterin Jutta-Voß-Müller begrüßt den Wandergesellen Dominic im Rathaus. (Foto: Stadt Wetter)