Als die Verwaltung in der letzten Woche zum Bürger-Workshop lud, um Ideen für die Gestaltung eines Parkplatzes einzusammeln, hat das nicht wenige Menschen verwundert. Bei der Veranstaltung am vergangenen Donnerstag ging es um den Platz vor dem „Thier-Galerie“ (nach ihrem Leiter Dietrich Thier) genannten Kreisarchiv.

Am Abend wurden die zahlreichen Besucher nicht enttäuscht. Die Verwaltung hatte ein spannendes Programm vorbereitet und sogar eigene Fans mitgebracht. Aber der Reihe nach.

Bei den Besuchern entstand der Eindruck, dass der Bürgermeister und sein Bauamts-Chef ein gewisses Interesse daran hatten, die Anwesenden von ihrem Plan zu überzeugen, den Parkplatz mit einem Mehrfamilienhaus zu bebauen. Ein Plan, den angeblich eine Abteilung für Stadtentwicklung erarbeitet haben sollte. Während der eine Teil der Besucher sich darüber wunderte, dass wir eine solche Behörde in Wetter haben, fragte sich der andere Teil, warum die dann nicht an der Entwicklung der Stadt arbeiten, statt die wenigen Parkplätze in der City bebauen zu wollen.

Bei der anwesenden Anwohnern und Geschäfts- bzw. Praxisinhabern kam der Plan der Verwaltung irgendwie nicht so gut an. Eindeutiger Tenor: Wir brauchen diese Parkplätze und wollen die auch behalten. Als sich dann auch noch einer der Anwesenden erdreistete, eine kritische Frage zum Budget zu stellen, wurde der Genosse Stadt- und Parteichef etwas ungehalten. Der von Amts wegen zur Neutralität verpflichtete Bürgermeister ließ es sich nicht nehmen, den Fragenden mal so richtig als Deppen darzustellen und in einer Tonart anzureden,  die für jeden ordentlichen Stadtmitarbeiter wohl die letzte Abmahnung vor der fristlosen Kündigung bedeutet hätte. Ähnlich aufgeregt – aber weniger unverschämt sprach sich dann auch der Vizechef und Bauamtsleiter der Verwaltung für das Projekt aus. Auch für ihn gilt die gesetzliche Verpflichtung zur Neutralität.

Hier kam dann der eingangs erwähnte Fanclub ins Spiel: Die Verwaltung hatte tatsächlich die parteinahe Nachwuchsorganisation „Jugendarbeitskreis“ zu der Veranstaltung bestellt. Die hatten zwar nicht, wie damals in der DDR üblich, Fähnchen geschwenkt und Parteilieder gesungen, dafür aber verbal Flagge für das Projekt der Verwaltung gezeigt.

Warum das Jugendamt junge Menschen zu politischen Veranstaltungen karrt blieb genauso im Dunkeln wie die Frage, welches Interessen wirklich hinter dieser Inszenierung stehen. Das wird man wohl erst erfahren, wenn wirklich – gegen den Willen der Anwohner – auf diesem Parkplatz gebaut wird. Danach sieht es im Moment aber eher nicht aus.

Und wie geht es nun weiter am Kreisarchiv? Die Verwaltung will nun die Vorschläge der Bürgerschaft zusammenfassen und die Planung dann in einem neuen Termin vorstellen. Man darf also gespannt sein, wie man ein mehr als klares Nein in einem Konzept zusammenfasst.

Schon am vergangenen Donnerstag ließen die Vertreter der Verwaltung durchblicken,  dass man zur nächsten Veranstaltung explizit einladen will. Das klingt eher nach Privatparty als nach Bürgerbeiteiligung…

 

Bild: Der Parkplatz vor dem Kreisarchiv soll offenbar bebaut werden.

 

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