Verwaltung und Politik haben offenbar mehrfache sexuell motivierte Übergriffe auf Jugendliche vertuscht um unbequeme Details aus der öffentlichen Diskussion zu nehmen. Dies hat jetzt noch unbequemere Konsequenzen – zumindest für das Image der Verantwortlichen.

Zwei jugendliche Mädels (15 und 16 Jahre) hatten zu Hause berichtet, regelmäßig in den öffentlichen Linienbussen von jungen Männern belästigt worden zu sein. Teilweise habe es auch körperliche Übergriffe gegeben, sagten die beiden. Diese Übergriffe würden praktisch täglich stattfinden und viele Mädchen und junge Frauen betreffen. Sie sagten weiter, es handele sich bei den Tätern um Leute aus dem Flüchtlingsumfeld, die praktisch den ganzen Tag in den Bussen anzutreffen seien.

Ein Elternteil wandte sich mit dem Sachverhalt an eine Sozialarbeiterin um herauszufinden, welche Alternativen es zur Anzeige bei der Polizei gibt. Die Sozialarbeiterin informierte daraufhin in einer Sitzung des Ausschusses für Soziales über den Bericht der Familie und fragte nach Möglichkeiten, die Angelegenheit ohne Polizei zu erledigen. Dort anwesend waren unter anderem Vertreter der Politik und der Verwaltung. Unter den Anwesenden war auch die oberste Chefin der Wetterschen Jugendschutzeinrichtungen, wie zum Beispiel dem Jugendamt. Nach Schilderung des Sachverhaltes schlug die Leiterin des Fachbereiches „Soziales“ vor, die Angelegenheit in einem vertraulichen Gespräch zu erörtern um es nicht „an die große Glocke zu hängen“. Vertreter von CDU, Grünen und SPD äußerten (sinngemäß) ihre Überzeugung, die Jugendlichen hätten das sicherlich übertrieben dargestellt. Der Vertreter der Christsozialen (CSR) erinnerte die Behördenvertreterin an eine mögliche Pflicht zur Anzeige des Vorgangs. Weitere Anwesende äußerten sich nicht zu der Angelegenheit.

Da dem Wetter Magazin diese Geschichte zeitnah zugetragen wurde, fragte der Reporter bei der Pressestelle der Verwaltung nach dem Ausgang des „vertraulichen Gespräches“, das die Chefin des Ressorts führen wollte. Die Antwort erinnert an die Ereignisse in Kölns Silvesternacht: Der Sprecher erklärte, das Gespräch in der Ausschusssitzung habe so gar nicht stattgefunden. Außerdem sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass die Jugendlichen die Geschichte nur ausgedacht hätten.

Eine ausgedachte Fast-Vergewaltigung oder der nächste Vertuschungs-Skandal der SPD-Behörden, die Frage würde sich ohne die Zeugen niemals klären lassen. Aber woher sollte man die nehmen? Die Behörden, nach deren Überzeugung das Ganze ja gar nicht stattgefunden hatte, würden uns kaum die Namen nennen. Abgesehen davon, dass sie das auch nicht tun dürften, wenn es doch stattgefunden hätte.

Es begann eine längere Phase mehr oder weniger gemütlicher Busreisen für den Reporter und zwei Kolleginnen. Von Mittag bis zum späten Abend fuhren die drei auf den Linien, die von den Mädels genannt worden waren. Unterwegs sprachen sie mit Fahrgästen und erfuhren, dass es tatsächlich immer wieder zu unangenehmen Situationen in den Bussen und beim Aussteigen an den Haltestellen komme. Besonders bei Dunkelheit hätten viele junge Frauen Angst. Auch seien die meisten Befragten schon öfter respektlos angesprochen worden. Zwei Jugendliche gaben an, begrapscht worden zu sein. Sie würden sich nun damit behelfen, den Platz neben sich mit Gepäckstücken zu blockieren oder einen Stehplatz beim Fahrer zu suchen. Eine Anzeige zu erstatten oder sich zumindest beim Fahrer zu beschweren, sei für die Befragten nicht infrage gekommen. Den meisten sei es nach eigenen Angaben peinlich, über derart intime Probleme mit Behördenvertretern zu sprechen.

Auf wundersame Weise erreichte den Reporter dann eine Nachricht der Eltern der ursprünglich betroffenen Jugendlichen. Im Gespräch zeigte man sich sichtlich schockiert über den Versuch der Verwaltung, diese Taten zu vertuschen und auch noch zu unterstellen, die Jugendlichen hätten da etwas ausgedacht. Die sehr detaillierten Angaben der Betroffenen, die sich mit den Schilderungen der Leute aus unserer kleinen Umfrage decken, lassen kaum Zweifel an der Darstellung. Im Übrigen habe sich bis heute niemand von der Verwaltung bei den Betroffenen gemeldet, um zum Beispiel Kund zu tun, was man gegen die Zustände tun will.

Und was sagt die, für Wetter zuständige Verkehrsgesellschaft VER zu den Ereignissen? Man habe keine Kenntnis von solchen Übergriffen. Das sei aber auch nicht ungewöhnlich, hieß es. Schließlich würden die betroffenen Busse von Subunternehmen gefahren. Man wolle sich aber mal mit dem Thema befassen. Konkrete Maßnahmen, wie zum Beispiel der Einsatz eines Sicherheitsdienstes seien nicht geplant.

Konsequenzen bei Politik und Verwaltung? Anders als bei den aktuellen Untersuchungen des Landtages kann es in Wetter keine politische Aufarbeitung geben, da sich die Opposition inzwischen fast vollständig abgeschafft hat (siehe nachfolgender Bericht). Hinzu kommt, das die drei namhaftesten Mitspieler ja schon in der Ausschusssitzung gesagt haben, dass es nicht gibt, was es nicht geben darf. Was soll man da untersuchen? Ok, in der großen Politik müssten solche Politiker geschlossen zurücktreten. Aber in der Dorfpolitik? Schwamm drüber – Bier drauf. Und die Verwaltung? Deren Leitung hat ja festgestellt, dass es nicht einmal das Gespräch gegeben hat. Wofür soll es dann Konsequenzen geben?

Scharfe Kritik an dem Vorgehen der Verwaltung kommt unterdessen von Beratungsstellen und Hilfsorganisationen. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen sei eine schnelle Aufarbeitung solcher Ereignisse sehr wichtig, sagt uns einer der Berater. Nur so könne man erreichen, dass das Erlebte nicht zum Trauma wird.Dass man ausgerechnet von denen im Stich gelassen wird, denen man als staatliche Instanz vertraut sei ein fatales Zeichen. Auch das habe man schon in Köln falsch gemacht und offenbar überhaupt nichts dazu gelernt.

Er rät dazu, eines der bekannten Beratungsangebote zu nutzen. Die Organisationen unterhalten Telefonhotlines, die meist gut zu erreichen sind und eine anonyme Erstberatung anbieten.

Wir haben einige wichtige Organisationen und Telefonnummern herausgesucht, mit denen man reden kann, wenn man Opfer eines Übergriffes oder einer anderen Straftat geworden ist.

Polizei
Wir man Opfer oder Zeuge einer Straftat, ist die Polizei der erste Ansprechpartner. Im Notfall sollte man nicht zögern, den Notruf 110 zu wählen. So stehen die Chancen ganz gut, die Täter noch an Ort und Stelle zu fassen. Kann man erst am Tag danach oder später mit der Polizei reden, hilft deren Telefonnummer in Wetter: 02335-9166-7000.

Pro Familia „Horizonte“
Die Beratungsstelle hilft Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die Opfer sexuellen Missbrauchs wurden. Unter der Rufnummer meldet sich meist ein Anrufbeantworter. Dort hinterlässt man seine Nummer und wird kurzfristig zurückgerufen: 02302-698935.

Frauenberatung EN
Die Organisation hilft Frauen in Not. Dabei ist es unwesentlich, welche Art von Notlage gerade das Thema ist. Sie unterhält auch ein Frauenhaus als erster sicherer Zufluchtsort. Kontakt: 02302-52596

Hilfetelefon Sexueller Missbrauch
Das Hilfetelefon Sexueller Missbrauch ist die bundesweite, kostenfreie und anonyme Anlaufstelle für Betroffene von sexueller Gewalt, für Angehörige und weitere Personen aus dem sozialen Umfeld von Kindern, für Fachkräfte und für alle Interessierten. Es ist eine Anlaufstelle für Menschen, die Entlastung, Beratung und Unterstützung suchen, die sich um ein Kind sorgen, einen Verdacht oder Fragen zum Thema haben.
Die Frauen und Männer am Hilfetelefon sind psychologisch, pädagogisch oder medizinisch ausgebildet und haben langjährige berufliche Erfahrung im Umgang mit sexueller Gewalt an Mädchen und Jungen. Sie hören zu, beraten, geben Informationen und zeigen – wenn gewünscht – Möglichkeiten der Hilfe und Unterstützung vor Ort auf. Jedes Gespräch bleibt vertraulich. Kontakt: 0800-2255530

Jugendamt
Das örtliche Jugendamt ist der behördliche Ansprechpartner für Fragen rund um das Wohl von Kindern und Jugendlichen. Auch hier gibt es Informationen für Betroffene und Angehörige. Die Leiterin der Behörde (nicht die Frau aus unserem Beitrag) ist hier zu erreichen: 02335-840-350

Wetter Magazin
Einer unserer Autoren engagiert sich seit Jahrzehnten in einer Organisation, die sich für missbrauchte Heimkinder einsetzt. Die Leute halten Kontakt zu Profis aus den bekannten Hilfsorganisationen, Therapeuten, Ärzten und Behörden. Sie kennen auch speziell geschulte Polizeibeamte, mit denen man über heikle Erlebnisse reden kann. Der Kollege ist über unsere Redaktionsnummer erreichbar (auch SMS, Whatsapp): 01516-1452286

Unsere Redaktion ist auch dort behilflich, wo die Zusammenarbeit mit Behörden nicht so funktioniert, wie sie sollte. Selbstverständlich sprechen wir ohne eure ausdrückliche Erlaubnis nicht über die Dinge, die uns zugetragen werden.

 

Symbolfoto / Archiv

 

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