Anfang der Woche haben wir bei Facebook einige Fotos veröffentlicht, die ein Leser von einem Spaziergang mitgebracht hatte. Sie zeigen das verwahrloste Gelände rund um das Gymnasium in Oberwengern und ein Schulgebäude, das zumindest von außen in bedauernswerten Zustand ist. Viele Leser haben sich daraufhin zu Wort gemeldet. Zentrale Frage in den meisten Kommentaren: Wie kann es in einem wohlhabenden Land so weit kommen, dass Kinder in solchen Gebäuden lernen müssen?

Wir haben der Stadtverwaltung diese Frage gestellt. Sie ist für die Erhaltung der Gebäude verantwortlich.

Eine Sprecherin sagte, die Behauptung, das Gymnasium sei in einem desolaten Zustand, treffe nicht zu. Man investiere kontinuierlich in die Schulen der Stadt und habe auch im Gymnasium verschiedene Sanierungs- und Moderniserungsmaßnahmen umgesetzt. Zum Beispiel sei der Fußbodenbelag im Foyer und in der Aula erneuert worden.

Aktuell sei man mit der Sanierung der naturwissenschaftlichen Räume beschäftigt. Insgesamt seien dafür Mittel in der Größenordnung von zwei Millionen Euro vorgesehen. In den kommenden Jahren soll ein Konzept zur Umgestaltung der Außenflächen umgesetzt werden. Dabei gehe es, so die Sprecherin um die Entsiegelung von Flächen. Also um es vom Behördenchinesisch ins Deutsche zu übersetzen, um Grün statt Beton und Asphalt.

Last not least gebe es auch ein Schülerprojekt, das sich um die Schaffung von Sitzgelegenheiten im Außenbereich kümmert.

Und weil man gerade beim Kümmern ist, hat man im Finanzplan der Stadt für die nächsten Jahre gleich noch ein paar Positionen für das Gymnasium vorgesehen. Da sollen dann die ganzen undichten Fenster erneuert werden, die gammelige Außenfassade erneuert werden und vieles mehr.

Undichte Fenster und gammelige Außenfassade? Hieß es nicht, dass diese Vorwürfe haltlos seien? Wie auch immer, die geplanten Investitionen sind aktuell bis ins Jahr 2020 geplant. Es bleibt also noch genug Zeit, sich von dem tatsächlichen Zustand ein Bild zu machen.

Auf die eigentlich spannende Frage, wie es denn überhaupt so weit kommen konnte, dass das Gebäude in so üblem Zustand ist, gab es übrigens keine Antwort. Warum auch, ist doch alles in Ordnung.

 

Was sagen eigentlich die Schüler zu ihrer Schule?

Wir haben mit einer Schülerin gesprochen, die es auf den Punkt bringt: „Die meisten von uns nehmen das nicht mehr wahr. Es sieht ja schon immer so aus hier.“ Außerdem habe man ja auch andere Prioritäten. Und dann fragt sie den Reporter: „Habt ihr euch damals Gedanken darüber  gemacht, wie die Schulgebäude aussehen?“ Zwei Sekunden Denkpause, dann fällt dem Reporter auf, dass schon damals alles so war wie heute: Wir saßen in Schulgebäuden, in denen Kinder mit Asbest und giftigem PCB begast wurden. Die Busse, die man für uns bestellte, waren schrottreif und die übrige Ausstattung vom vorgestern. Wirklich interessiert hat und Schüler das nicht. Das war eben so.

Es ist doch „schön“ zu sehen, dass immer noch alles so ist wie früher. Dass diese Art der Bildungs- und Finanzpolitik Früchte trägt, kann man ja auch schon gut erkennen. Deutschland ist auf dem besten Weg Schlusslicht in den wichtigen Bereichen Bildung und Forschung zu werden. In Zukunft kommen die High-Tech-Innovationen dann wahrscheinlich aus den Balkanländern…

 

 

Bilder: Keine Schrottimmobilie im Dortmunder Norden – eine Schule direkt vor unserer Haustür.

 

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