„Gewalt kommt nicht in die Tüte.“ Mit dieser auf 200.000 Brötchentüten gedruckten Botschaft hatte der Runde Tisch EN gegen Häusliche Gewalt im Ennepe-Ruhr-Kreis vor zehn Jahren erstmals kreisweit und sehr öffentlichkeitswirksam Gewalt an Frauen und Kindern geächtet. Seitdem wurde alle zwölf Monate eine neue Aktion aufgelegt. Im Herbst lautet unserer Botschaft: Ich trage Häusliche Gewalt nicht mit“, kündigt Petra Bedow, Gleichstellungsbeauftragte des Ennepe-Ruhr-Kreises und Geschäftsführerin des Runden Tisches, an.

Besonders erfreut ist sie, weil Landrat Dr. Arnim Brux sowie die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der neun kreisangehörigen Städte jeweils mit einer ganz individuellen Aussage ergänzen werden, warum sie Häusliche Gewalt nicht mittragen. Herdeckes Bürgermeisterin Dr. Katja Strauss-Köster und Frank Hasenberg, Bürgermeister der Stadt Wetter (Ruhr), unterstützen diese Aktion und setzen damit ein klares Zeichen gegen Häusliche Gewalt.

„Diese zehn klar formulierten Gründe des Landrates sowie der Bürgermeisterinnen und Bürgermeisterrücken zwischen dem 24. und 28. November in den Mittelpunkt. Dann werden wir traditionell an belebten Stellen in allen Städten präsent sein und auf unser Anliegen aufmerksam machen“, so Bedow.

Der Termin ist natürlich kein Zufall. Am 25. November steht der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen im Kalender. „Dieser Tag ist ein Aktions-, aber ebenso ein Gedenktag. Erinnert wird an die Ermordung dreier Frauen in der Dominikanischen Republik im Jahr 1960. Sie hatten seinerzeit im Untergrund gegen die herrschende Diktatur gekämpft. Heute gilt ihr Mut weltweit als Symbol des Kampfes gegen menschenverachtende Tyrannei, als Symbol für das Eintreten gegen jegliches Unrecht, aber insbesondere gegen das Unrecht, wenn Frauen und Mädchen wegen ihres Geschlechtes missachtet, verfolgt, verstümmelt oder gar getötet werden“, erklärt Bedow.

Die dafür gewählten Methoden haben viele Gesichter. Schlagende Männer sind dabei das eine, Partner, die psychische Gewalt ausüben und versuchen, die totale Kontrolle zu erlangen, das andere. „Da werden private Kontakte unterbunden, Telefonate kontrolliert oder es wird Geld vorenthalten“, nennt Bedow einige Beispiele. Ebenso erschreckend wie die Facetten der Gewalt, zu deren Opfer auch die Kinder zählen, sind die Fallzahlen. So erlebt jede vierte Frau in ihrem Leben Häusliche Gewalt. Umgerechnet auf den Ennepe-Ruhr-Kreis würde das heißen: 42.700 Frauen sind betroffen. 1.150 in Breckerfeld, 3.850 in Ennepetal, 4.050 in Gevelsberg, 7.250 in Hattingen, 3.200 in Herdecke, 3.650 in Schwelm, 3.300 in Sprockhövel, 3.550 in Wetter und 12.700 in Witten. „Das sind natürlich Rechenspiele. Aber machen wir uns nichts vor: Häusliche Gewalt ist für viel zu viele auch an Ennepe und Ruhr qualvoller Alltag. Und das übrigens völlig unabhängig von der Gesellschaftsschicht“, unterstreicht Bedow.

Der Runde Runde Tisch EN gegen Häusliche Gewalt ermutigt alle Betroffenen, sich an Beratungsstellen, an das Frauenhaus oder an die Polizei zu wenden. Zeugen häuslicher Gewalt sollten Warnsignale beachten und Unterstützung anbieten. Ansprechpartner sind beispielsweise das  Frauenhaus.EN (02339/6292), die Frauenberatung.EN (02336/4759091, 02302/52596 und 02324/594005, die Polizei (110), die Opferschutzbeauftragten der Polizei (02336/9166 2956 und 0234/909 4059) und der Weiße Ring (02333/609060).

 

Stichwort „Runder Tisch EN gegen Häusliche Gewalt“

Der „Runde Tisch EN gegen Häusliche Gewalt“, der die Aktionen geplant und vorbereitet hat, besteht seit 1999. Er vernetzt viele Institutionen  und Fachleute aus Justiz, Polizei, dem Opferschutz, den Beratungsstellen, dem Frauenhaus, der Frauenberatung, dem Gesundheitswesen und die Gleichstellungsbeauftragten der Städte und der Kreisverwaltung miteinander, um den gewaltbetroffenen Frauen und ihren Kindern im Ennepe-Ruhr-Kreis ein sichereres Leben zu ermöglichen.  Schirmherr ist Landrat Dr. Arnim Brux.

Foto: Stadt Wetter

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