Die frisch renovierte Kaiserstraße ist – da sind sich praktisch alle einig – ein schöner und wichtiger Farbklecks auf die seit Jahrzehnten vernachlässigte Innenstadt. Seit der Fertigsellung des Straßenabschnittes häufen sich aber die Beschwerden der Anwohner und Fußgänger. Viele sagen, sie könnten gar keine Verkehrsberuhigung feststellen. Jetzt wurde sogar eine Oma von einem Raser angefahren.

Die mitte 70-jährige Dame kam am Montagvormittag in unsere Redaktion und sagte dem Kaiserstraßenreporter, sie sei in der vergangenen Woche von einem Raser vor der Sparkasse angefahren worden. Nach dem Sturz sei sie so verwirrt gewesen, dass sie sich nicht an das Auto oder gar das Keneichen erinnern könne. Zu Hilfe eilende Passanten hätten ihr geraten, den Unfall der Polizei anzuzeigen. Den selben Tipp gab ihr auch der Reporter. Waltraut B. wollte aber lieber, dass wir etwas dazu schreiben und die Stadt mal fragen, warum es denn gar keinen Fußgängerüberweg gebe. Machen wir gern, Frau B.

Unterdessen meldet sich Graziella Borsoi zu Wort. Die Chefin des beliebten Eiscafe „Sagui“ erzählt dem Reporter, dass ausgerechnet die Busse oft so schnell unterwegs seien, dass die Gläser im Regal wackeln wenn die schweren Fahrzeuge über die „Verkehrsberuhigungs-Huckel“ fahren würden. Schnell beteiligen sich auch Gäste des Cafes an am Gespräch. Auch sie wollen öfter rasende Busse und natürlich Autos gesehen haben. Der Reporter verspricht, auch das zu erforschen und ruft erst einmal die Polizei an. Die sollte ja wissen, was da los ist – und besser erreichbar als die Stadt-Chefs sind die allemal…

Polizeisprecher Dietmar Trust erklärte dem Wetter Magazin, man habe schon eine Weile ein Auge auf den neuen Teil der Kaiserstraße geworfen. Sowohl bei Lasermessungen als auch bei einer verdeckten Langzeitübewachung seien keine spektakulären Ergebnisse herausgekommen. Zweidrittel der gemessenen Fahrzeuge seien mit wenier als 25 km/h unterwegs gewesen und die übrigen seien kaum schneller als 25 km/h gewesen. Lediglich ein „verschwindend geringer“ Teil aller Fahrzeuge sei schneller als 30 gefahren. Da auch die Unfallstatistik in der Kaiserstraße eher unauffällig sei, gebe es derzeit keine Rechtfertigung für eine dauerhafte Überwachung.

Bei den Verantwortlichen der Stadt war heute niemand für eine Stellungnahme erreichbar. Aufgrund einer Anfrage im April erklärte die Stadt jedoch, man habe durch die Installation zweier Geschwindigkeitsanzeigen bereits für eine Sensibilisierung der Autofahrer gesorgt. Darüber hinaus sei aber die Polizei für die Geschwindigkeitskontrollen zuständig und die habe ja auch schon kontrolliert. Der Bau eines weiteren Fußgängerüberweges sei hingegen nicht möglich, weil der Fördergeber (das Land, Anm. d. Red.) damit nicht einverstanden sei.

Auf die Frage, ob die Stadt die Auflagen des Fördergebers nachverhandelt hat und wenn nicht, warum war heute genauso wenig eine Antwort zu bekommen wie auf die Frage, warum jene tollen Geschwindigkeitsanzeigen ständig ausfallen. Die auf der Höhe der Sparkasse ist beispielsweise seit Wochen ohne Funktion.

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Bilder (v.l.): Sitzen in der ersten Reihe der Rennstrecke: Die Chefs des Eiscafe Sagui. Nutzlose Geschwindigkeitsanzeige an der Sparkasse: Seit Wochen ohne Funktion. Manche Busfahrer nehmen – trotz großer Verantwortung – die Tempo-20-Zone scheinbar nicht so ernst.

 

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1 Kommentar

  1. Das mit den zu schnell fahrenden Bussen kann ich nur bestätigen. Allerdings sollte die Polizei sich mal um 5:30 Uhr morgens an die Kaiserstr. stellen, dann wird schnell klar, dass die Mehrheit der Fahrzeuge schneller als 30 km/h ist und Busse sogar mit 50 km/h durch die untere Kaiserstr. donnern.
    Ich wurde schön öfter um diese frühe Uhrzeit beim Überqueren der Straße an der Kaiserstr. beinahe überfahren.
    Auch nachmittags kann man kaum von einer „beruhigten“ Straße sprechen, es dauert durchaus schon mal 2 Minuten bis man die Straße überqueren kann, da für Fußgänger unendliche Autoschlangen von rechts oder links die untere Kaiserstr. weiterhin als Abkürzung für die Bundesstraße nach Hagen oder Witten nutzen.
    Ein weiterer Schwerpunkt für zu schnelle Fahrzeuge sind die Spielstraßen an der Poststraße und Bismarckstr., die sogar tagsüber häufig als Raserstrecken genutzt werden. Sicher ist es schwer die Bismarckstr. hinunter Schritt zu fahren, aber es wird sehr häufig gerast!

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