Historische Fotografien, Ahnentafeln, Zeitungsausschnitte, erläuternde Texttafeln: In den Räumen des ehemaligen Stadtarchivs an der Burgstraße 17 und im Gemeindesaal der benachbarten Ev. Ref. Gemeinde können historisch interessierte Bürgerinnen und Bürger ab Freitag, den 21. September, einen informativen Blick in ein faszinierendes Kapitel der wetterschen Industriegeschichte werfen.

Unter dem Motto „Zum Greifen nah“ haben Studierende des Historischen Instituts der TU Dortmund unter Leitung ihrer Professorin Eva-Maria Butz eine, von der Sparkasse Gevelsberg-Wetter und der AVU gesponserte, Ausstellung über die Familien Carl und Ludwig Bönnhoff zusammengestellt. Auf die Familie geht auch die Idee der Ausstellung zurück: Nora Bönnhoff fand nach dem Tode ihrer Eltern zahlreiche Dokumente und Fotografien auf dem Dachboden des elterlichen Hauses. Als sie bei einem Besuch im Büro des Stadtmarketings von ihren Fundstücken erzählte, war schnell die Idee einer entsprechenden Ausstellung gefunden.

Wetter als Keimzelle der Industrialisierung in Westfalen und im Ruhrgebiet – das ist ein vielfach gehörtes Schlagwort – zumindest in Verbindung mit dem Namen Friedrich Harkorts, der in der Freiheit in Alt-Wetter im Jahr 1819 seine Mechanische Werkstätte gründete.

Allerdings ist die Industriegeschichte der Stadt Wetter (Ruhr) viel reichhaltiger und mit mehr Namen und Persönlichkeiten verbunden als nur mit Friedrich Harkort. Einer dieser Namen ist derjenige der Familie Bönnhoff. Ludwig Bönnhoff gründete 1863 eine Eisen- und Stahlgießerei, 1875 folgte sein Bruder Carl mit der Gründung einer Gießerei und Mechanischen Werkstatt.

Die Bönnhoffs prägten mit ihren Firmen nicht nur die industrielle Entwicklung Wetters, sondern waren auch Repräsentanten des aufstrebenden Bürgertums. Ihr soziales Engagement schlug sich u.a. im Krankenhaus, in der Lutherkirche und der Wohnstättengenossenschaft („Bönnhoffkolonie“) nieder.

Die Ausstellung über die Bönnhoffs macht deutlich, wie früh Wetter bereits ein bedeutender Industrieplatz war. Das gilt bis heute: „Wetter hat eine enorme Tradition im Bereich der Industrieentwicklung“, so Bürgermeister Frank Hasenberg beim Vorabbesuch der Ausstellung. Wetter war und ist ein Gewerbestandort. Und Markus Drüke, Vorsitzender des Vereins Stadtmarketing, schlägt den Bogen ins nächste Jahr: „2019 wird die Mechanische Werkstätte von Harkort 200 Jahre alt.“ Ein Jubiläum, das entsprechend gefeiert wird.

Die historische Schau macht auch nicht Halt vor den dunklen Kapiteln der Industriegeschichte: „Auf flüchtige Russen ist zu schießen mit der fersten Absicht zu treffen.“ So steht es auf einer Anordnung aus der Zeit des Nationalsozialismus. Wo heute das Gymnasium steht, war in der NS-Zeit ein Lager für Zwangsarbeiter. Mit viel Liebe zum Detail haben die Geschichtsstudenten aus Dortmund eine Ausstellung entwickelt, die mit dem Blick auf einen bedeutenden Teil der wetterschen Industriegeschichte auch viel über das Leben vergangener Jahrzehnte erklärt. „Es würde mich sehr freuen, wenn diese Ausstellung über ein Kapitel unserer Stadtgeschichte möglichst viele interessierte Bürgerinnen und Bürger anlockt“, so Bürgermeister Frank Hasenberg“, der allen Beteiligten rund um dieses Projekt für Ihr Engagement herzlich dankte. So überließ Hausherr Helmut Dorsch seine Räume in der Burgstraße 17, die Ev. Ref. Gemeinde ist mit ihrem Gemeindesaal ein zweiter Standort der Schau und die Ehrenamtler des Stadtmarketings kümmern sich um die Besucher der Ausstellung.

Offizielle Eröffnung der Schau „Zum Greifen nah“ ist am Freitag, 21. September, um 16 Uhr.

Der Titel ist bewusst gewählt: Im Jahr 1937 begann im Unternehmen Ludwig Bönnhoff die Produktion von Greifern für Stückgüter nach eigenen Patenten.

Die weiteren Öffnungszeiten sind bis zum 14. Oktober jeweils samstags von 11 bis 16 Uhr sowie sonn- und feiertags von 14 bis 17 Uhr. Für Gruppen wird nach Absprache mit dem Stadtmarketing (Tel.: 02335 802092 / Mail: kontakt@stadtmarketing-wetter.de) auch spontan geöffnet.

 

Bild: Bürgermeister Frank Hasenberg und Stadtmarketing-Vorsitzender Markus Drüke freuen sich mit den Initiatoren, Sponsoren und Ausstellungsmachern über den faszinierenden Blick in ein industriegeschichtliches Kapitel der Stadthistorie.  Foto: Stadt Wetter (Ruhr