Mit einer Spende in Höhe von 5.000 Euro hat die Sparkassenstiftung der Stadt Wetter das reittherapeutische Angebot der Evangelischen Stiftung Volmarstein um ein weiteres Jahr gesichert. Die Therapie leistet Schwerstkranken wertvolle Hilfe.

Morbus Huntington ist eine heimtückische Krankheit. Erst im Erwachsenenalter, zwischen 30 und 45 Jahre, tauchen in der Regel die ersten Symptome auf: Die motorischen Fähigkeiten lassen nach, das Sprechen fällt schwer, die Persönlichkeit des bis dato kerngesunden Menschen verändert sich. „Innerhalb von 10 bis 15 Jahren verläuft die Krankheit dann tödlich“, erklärt Ergotherapeutin Stephanie Hof zum Berge. Andreas Hinzberger und Andrea Wittig sind von dieser seltenen Krankheit betroffen. Einmal in der Woche nehmen die beiden jungen Frauen am reittherapeutischen Angebot der Stiftung teil und verbringen einen Nachmittag auf dem Mühlenhof in Wetter-Wengern. „Darauf freue ich mich immer sehr“, sagt Andrea Hinzberger, die früher selbst Reiterin war. „Damals, als ich noch gesund war“, sagt sie.

In ganz Deutschland sind rund 8.000 Krankheitsfälle der seltenen Gehirnerkrankung bekannt – 40 erkrankte Personen leben allein im Haus Bethanien der Evangelischen Stiftung Volmarstein. „Wir können in Volmarstein also durchaus von einem Zentrum für Morbus-Huntington-Erkrankte sprechen“, sagt Ekkehard Meinecke, Geschäftsbereichsleiter der Behinderten- und Jugendhilfe. Der Verlauf der Erkrankung ist individuell sehr unterschiedlich. Oft treten am ganzen Körper unwillkürliche Zuck-Bewegungen auf, das Schlucken fällt den Betroffenen schwer, sie sind nervös, depressiv, reizbar, im späteren Stadium treten häufig Gedächtnis- und Orientierungsstörungen bis zur Demenz auf. „Eine Heilung ist nicht möglich“, erklärt Stephanie Hof zum Berge, „aber durch Angebote wie unsere Reittherapie, können wir die Krankheit positiv beeinflussen und die Lebensqualität der betroffenen Patienten verbessern.“ Das Reiten und der Umgang mit den Pferden fördert das Gleichgewicht, die Koordination und wirkt sich positiv auf den Aufbau des Muskelapparates aus. „Der Kontakt mit unseren feinfühligen und geschulten Pferden hat eine Menge positive Auswirkungen auf die Patienten“, erklärt Reittherapeutin Nicole Brenk, die für die Therapiestunden auch ihre eigenen Pferde zur Verfügung stellt. „Der warme Kontakt zu den Pferdekörpern hat eine beruhigende Wirkung, der gekonnte Umgang mit den großen Tieren fördert das Selbstbewusstsein, Kommunikation zwischen Mensch und Tier ist auch beim Abhandenkommen des Sprechvermögens möglich.“ Aspekte, die den Betroffenen wertvolle Momente schenken, in denen sie ihre Krankheit für einen Moment vergessen können.

Was anfangs noch als Randtherapieangebot einigen wenigen Personen in der Stiftung zur Verfügung stand, hat sich mittlerweile zu einem festen und äußerst beliebten Angebot entwickelt. Drei Schülergruppen aus der Oberlinschule, zwei Außenwohngruppen, zwei Gruppen aus der Werkstatt für behinderte Menschen und eine Gruppe aus dem Haus Bethanien nehmen regelmäßig an den Therapiestunden teil. „Kinder und Erwachsene profitieren gleichermaßen von der Therapie“, sagt Nicole Brenk, „wir verzeichnen in der Therapie mit den Pferden Erfolge, die wir in einer Turnhalle mit sterilen Sportgeräten niemals erzielen könnten.“

Das wertvolle Angebot wird durch regelmäßige Spenden finanziert. Ein Jahr kostet die Evangelische Stiftung Volmarstein rund 5.000 Euro. Dank der großzügigen Unterstützung der Sparkassenstiftung Wetter ist die Finanzierung für ein weiteres Jahr gesichert. Stiftungsvorstand Christian Becke und Kerstin Berndt überreichten Reittherapeutin Nicole Brenk den Scheck persönlich. Wenn auch Sie die Reittherapie unterstützen möchten, können Sie dies gern über folgendes Spendenkonto tun:

Bank der Kirche und Diakonie,

Evangelische Stiftung Volmarstein,

Kontonummer: 210 159 9054
BLZ: 350 601 90
Stichwort: Spende Reittherapie

IBAN: DE 40350601902101599054

 

Foto: (v.l.) Andrea Wittig, Andrea Hinzberger, Christian Becke, Kerstin Brandt.

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